Kime (jap.): der Begriff Kime bezeichnet die Verwendung des inneren Ki in der äußeren Technik und wird mit Brennpunkt, Kraftkonzentration oder Zentrum der Kraft übersetzt. Mit Kime meint man das Zusammenwirken der körperlichen und geistigen Kraft in einer Handlung. Definition des Kime
Kime ist der äußere Ausdruck der in einer Übung erreichten Ki-Kontrolle und hat seinen Ursprung in einer inneren Verfassung, die man Aiki nennt. Aiki steht für die in allen Wegübungen angestrebte innere Haltung (Shisei), die nach den Prinzipien des Weges zu verwirklichen ist. Darin ist Ai das Prinzip der Liebe, der Harmonie und Anpassung, eines der Grundkonzepte in allen asiatischen Budo-Künsten, das darauf verweist, dass auch die Wirkung der Technik nicht allein durch Wollen (Streben) zu erreichen ist, sondern einer inneren Übung zur Anpassung und Selbsterkenntnis bedarf.
Aiki steht für die durch wahre Selbsterkenntnis erreichte Harmonie in der inneren Verfassung. Trotz der in den Kampfkünsten erworbenen Fähigkeiten ermöglicht Aiki ein Dasein ohne die Absicht des Tötens oder Vernichtens und die Erkenntnis der rechten Haltung gegenüber der Welt. Aiki ist die durch Selbsterkenntnis erreichte Kontrolle des inneren Ki, ohne die eine Projektion nach außen (Kime) in der Technik nicht möglich ist. Die Wirkung der Technik hat daher ihren Ursprung in der Verwirklichung der psychischen und physischen Gleichgewichtsmitte (Hara), also im „Zulassen“, nicht im „Machen“.
Letztlich bedeutet Aiki die höchste Harmonie des bewussten Daseins überhaupt, die aus der Verbindung zwischen den Prinzipien der Liebe (Bewahrung, Achten, Vertrauen) und Energie (Streben, Erreichen, Wirken) besteht. Das rechte Verhältnis zwischen Ai und Ki ermöglicht bewusstem Leben sich in seiner von der Natur auferlegten Doppelbestimmung (Streben und Achten) sinngerecht zu entfalten. Die höchste Wirkung (Kime) resultiert letztlich aus einer inneren Verfassung, die dem Wirken der Natur (chin. Dao, jap. Do) angeglichen ist. Formen des Kime
Die Anwendung von Kime in den Techniken der Kampfkünste hat daher nichts mit der rohen Körperkraft zu tun, sondern entspricht demselben philosophischen Prinzip, das dem gesamten Budo zugrunde liegt: Das Erreichen einer inneren Verfassung (Shisei), durch die nach dem Beispiel der des Wirkens der Natur wahre Handlung (Ikken-hissatsu) möglich wird. Daher ist die Verwendung von Körperkraft in der Technik nicht die einzige, sondern nur eine Möglichkeit.
Kime-Techniken können in den Kampfkünsten auf drei Weisen ausgeführt werden:
1. indem man durch Körperkraft mechanische Schockwirkungen erzeugt
2. indem man durch eine weiche Kraft die destruktiven Wirkungen im Körperinneren des Gegners verbreitet und
3. indem man mit Punkttechniken die gegnerischen Vitalpunkte stimuliert.
Die meisten modernen Kampfkunstvarianten befassen sich jedoch, wenn überhaupt, nur mit der ersten Methode, denn die Grundlage dieser Methode ist die tägliche Übung am Makiwara. Dieses Üben führte dazu, dass die Kampfkunstexperten ihren Körper in eine Waffe verwandeln konnten und sie mit ihren Techniken eine Kraftentfaltung von über 700 kg erreichten. Bruchtests gegen bis zu 20 cm dickes Holz, die mit der bloßen Faust oder Ellbogen ausgeführt werden, sind auch heute keine Seltenheit. Doch auch diese Methode ist eine Wissenschaft für sich. Erst nach Jahren des täglichen Makiwara-Trainings lassen sich Nuancen in der Kraftentwicklung und Kraftübertragung feststellen.
Die „durchdringende Technik“ hingegen läßt sich nicht über das Körperprinzip erreichen, denn ihre Grundlage liegt in den psychologischen Bereichen der Kampfkünste. Auch sie besteht aus verschiedenen Formen der Kraftanwendung und hat in den Kata einen große Anzahl von Techniken entwickelt, die in verschiedenen Kampfkonzepten enthalten sind.
In den okinawanischen Kampfkünsten gibt es eine spezielle Terminologie, die die Entwicklung der verschiedenen Formen von Kime bezeichnet, die das innere Ki verwenden. Als Überbegriff dafür wird die Bezeichnung Shimeijurasan gebraucht. Shimeijurasan ist eine Bezeichnung, die gleichzeitig für die stetige Perfektion des inneren Ki steht. Deshalb ist Shimeijurasan der Inbegriff des Fortschritts überhaupt.
Shimeijurasan enthält verschiedene Formen des Kime, zu deren Verwirklichung nicht nur physische, sondern auch geistige Aspekte, wie die Lenkung des Ki, die Kontrolle des Geistes und der Atmung u.a. gehören. Durch die Kata müssen sie verstanden und im Bunkai so lange geübt werden, bis sie gegen einen tatsächlichen Angriff zu verwenden sind.

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